Hunderttausende stehen an den Straßenrändern von Zagreb und warten auf den Mann, von dem viele sagen, daß er die einflußreichste Person der Welt sei - auf den Papst. Endlich kommt das sogenannte »Papamobil« um die Kurve gefahren. Der mittlerweile altersschwach wirkende Papst Johannes Paul II winkt den jubelnden Massen aus seinem schußsicheren Glaskasten zu und läßt sich feiern. Beim Anblick dieses Schauspiels drängt sich uns die Frage auf, ob die Menschen hier schon etwas von dem Gebot gehört haben: »Du sollst keine anderen Götter haben neben mir!« Aber die meisten denken ja von ihrem »Kirchenoberhaupt«, daß er der Stellvertreter Gottes auf der Erde ist. Und dementsprechend sieht auch seine Verehrung aus. Eine Million Besucher waren an diesem Wochenende in Zagreb zu Gast, um den Papst zu sehen. Allein 600.000 Menschen nahmen an der Eucharistiefeier teil. Was liegt angesichts dieser Menschenmassen näher, als eine breit angelegte Verteilaktion zu organisieren? Also trafen sich an dem entsprechenden Wochenende (10. und 11. September 1994) 60 Geschwister aus Osterreich und Deutschland, um 100.000 Traktate mit Literaturgutscheinen zu verteilen - und das in insgesamt zehn Stunden. Doch nicht alles lief so ungestört ab. So mußte zum Beispiel einer unserer »Hochfrequenzverteiler« eine ohrfeige von einem fanatischen Katholiken einstecken. Der betreffende Bruder war so verdutzt, daß er ganz vergaß, die Gelegenheit wahrzunehmen, auch noch die andere Wange hinzuhalten. Andere Geschwister fanden sich plötzlich auf einer Polizeiwache wieder und mußten dort einige Stunden verbringen. Sie nutzten aber auch diese Gelegenheit, um die Polizei Zagrebs zu evangelisieren. Das fiel bei den Fragen des Verhörs wie: »Was glauben Sie eigentlich?« oder »Was halten Sie vom Papst?« natürlich nicht schwer. Wie kam es denn zu den Kontakten mit der Polizei? Eine Frau, die unter uns wohnte, bemerkte plötzlich, daß es durch die Decke tropfte. Daraufhin rief sie nicht den Hausmeister oder einen Klempner an, sondern die Polizei, welche dann in unsere Wohnung eindrang. Das einzige, was sie hier vorfand, waren ca. 20 aufgeblasene Luftmatratzen und ein aufgeschlagener Stadtplan von Zagreb, auf dem die orte angekreuzt waren, auf die sich die einzelnen Teams verteilen sollten. Was lag für die Polizei näher als die Vermutung, daß hier ein Attentat auf den Papst geplant war? In der Zwischenzeit waren einige unserer Leute in die Wohnung zurückgekommen. Vergeblich versuchten sie den Polizeibeamten zu erklären, daß wir lediglich Gutscheine für Literatur verteilten. So kam es, daß jeder, der in der Stadt beim Verteilen gesichtet wurde, vorerst in polizeilichen Gewahrsam genommen wurde. Mittlerweile wurden schon viele Gutscheine zurückgesandt. Jetzt erwartet uns die zeitaufwendigere Nacharbeit. Beten wir gemeinsam für viel Frucht im Vertrauen auf die biblische Verheißung: »Teile das Evangelium aus und du wirst sehen, nach vielen Tagen werden sich Menschen bekehren.« (frei nach Prediger 11,1)
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